3681 Zigaretten-Kippen in der Umwelt gefunden

Bereits 13. Organisation aus Bayern wird Netzwerkpartner: Cleanup Langquaid

In Bayern sind die Menschen sehr aktiv. Obwohl, oder gerade weil die meisten Überweisungen für den Bau von Straßen nach Bayern angewiesen werden, engagiert man sich dort merkbar stark für den Umweltschutz. Zumindest im zivilgesellschaftlichen Bereich. So stößt die mittlerweile 13. Organisation aus Bayern zu unserem immer größer werdenden Netzwerk. Wir stellen vor: Cleanup Langquaid. Das Interview habe ich mit Nicole führen dürfen.

Wie kam es zu dem Projekt “Cleanup Langquaid”?

cleanup langquaid

Nicole: Anfang dieses Jahres kamen wir bei einem Spaziergang an einem mit unzähligem Plastikmüll übersäten Feld vorbei. Dies animierte uns, besagten Müll zu beseitigen. Ausgestattet mit Handschuhen und Taschen führten wir daraufhin unser erstes Cleanup mit einer Gesamtausbeute von 3 großen Papiertaschen durch. Diese nicht unerhebliche Menge auf einer Wegstrecke von ca. 2 km hat uns exemplarisch vor Augen geführt, wieviel Müll sich faktisch in unserer Natur befindet.

Durch die anschließende Corona Pandemie waren wir nahezu täglich in der Natur unterwegs und nutzten unsere Zeit produktiv zum Müllsammeln. Teilweise waren es sehr große Mengen und vor allem unsagbar viele Zigarettenstummel. Diese Tatsache veranlasste uns über Mitstreiter nachzudenken, da wir als Familie nicht überall für Sauberkeit sorgen konnten. Wir erstellten Accounts, begannen social Media via Instagram und Facebook zu nutzen und konnten dadurch unsere ersten Mitstreiter und Unterstützer finden.

Wer organisiert die Cleanups und wer beteiligt sich dabei?

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Nicole: Die Cleanups werden derzeit noch ausschließlich von uns organisiert. Wir geben die Termine dafür auf Instagram und Facebook bekannt. Zur besseren Organisation und Planung gibt es zwischenzeitlich auch eine private Facebook Cleanup Gruppe, die für den kommunikativen Austausch untereinander ebenfalls von großer Bedeutung ist. Die Mitglieder haben dort die Möglichkeit, auch ihre privaten Sammelaktionen zu dokumentieren. Durch unsere Aktion am World Cleanup Day konnten wir weitere Mitstreiter gewinnen, mit deren Mithilfe und Unterstützung wir künftig im monatlichen Turnus sammeln möchten. Angedacht wären langfristig unterschiedliche Teams um größtmögliche Abdeckung bei Aufräumaktionen zu erzielen. Weiterhin sind Stammtisch- Treffen zum Austausch und zur Ausarbeitung weiterer Konzepte in Planung.

Gibt es schon eine nächste Putzaktion?

Nicole: Eine unserer nächsten geplanten Aktionen soll voraussichtlich am 2. oder 3. Samstag im Oktober stattfinden. Die Planung für die Terminfindung läuft. Vorrangig liegt unser Augenmerk dabei selbstverständlich auch dann wieder getreu unserem Motto „123 Kippenfrei, sei auch du dabei“ auf den toxischen Kippen.

Was würdest du dir von der Stadt Langquaid besonders hinsichtlich der Vermüllung wünschen?

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Nicole: Von unserem Markt wünschen wir uns in erster Linie mehr Abfalleimer. Angeregt haben wir dies bereits vor einigen Monaten und hoffen auf baldige Umsetzung. Idealerweise wären Gefäße mit Kippenaufsatz sowie separate Kippenbehälter. Die Anzahl der vorhandenen Behältnisse bei uns ist leider aktuell noch immer zu gering, sodass zahlreicher Müll schlichtweg auf der Straße oder auch in der Natur hinterlassen wird. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass vorhandene Gefäße häufig Abhilfe schaffen. Gleichzeitig ist uns ebenfalls bewusst, dass manche Mitmenschen dennoch ihren Müll ungeniert unsachgemäß entsorgen. Diese wollen wir durch Aufklärungskampagnen erreichen.
Von unseren Mitbürgern wünschen wir uns gegenseitige Rücksichtnahme und einen verantwortungsvollen Umgang mit Müll. Am besten ist natürlich, diesen bereits gar nicht erst entstehen zu lassen und durch einen nachhaltigen Lebensstil bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Wünschst du dir Unterstützung von der Stadt Langquaid?

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Nicole: Ganz klar, ja. Nur durch gegenseitige Unterstützung können wir eine flächendeckende Sauberkeit in unserem Markt erreichen. Wir unterstützen durch unser ehrenamtliches Engagement und wünschen uns im Gegenzug Unterstützung bei der Beschaffung und dem Sponsoring von benötigtem Equipment, bei der notwendigen Versorgung mit Abfalleimern, bei der Bekämpfung der Kippenflut durch stationäre Maßnahmen und Aufklärung.
Die Entsorgung gesammelten Mülls am Bauhof konnte zwischenzeitlich gewährleistet werden. Im Kampf gegen Kippen, die nicht nur ein ästhetisches Problem darstellen, sondern durch Ihre zahlreichen schädlichen Inhaltsstoffe Mensch, Tier und Umwelt gefährden, wünschen wir uns die Anschaffung von geeigneten Aschern und Kippen-Abstimmautomaten. Auch die präventive Unterstützung durch Taschenaschenbecher ist uns ein großes Anliegen. Wir möchten den Müll verhindern, bevor er entsteht und zum Problem wird. An Kippen- Hotspots, an denen durch Kippenboxen und Hinweisschilder unsererseits keine Erfolge erzielt werden konnten, müssen wir geeignete Maßnahmen zur Beseitigung und Verhinderung ausarbeiten.
Eine Unterstützung des Bürgermeisters, auch die Bereitstellung von Räumlichkeiten sowie seine Teilnahme an weiteren Sammlungen wurde uns zugesagt. Dies können wir nur ausdrücklich begrüßen und freuen uns natürlich sehr.

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

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Nicole: Die Motivation und auch der Antrieb selbst etwas zu verändern kommt häufig durch positive Erlebnisse oder Inspirationen. Wir wollen mit unserem Aktivismus andere Menschen inspirieren, motivieren und sozusagen anstecken. Man muss Aufmerksamkeit erzielen, Aufklärung betreiben und mit Eifer als Vorbild vorangehen. Putzaktionen bieten sich dafür optimal an. Man hält sich fit und fördert die Gesundheit, man entlastet die Umwelt, trägt aktiv zum Umweltschutz bei und kann nebenbei noch eine ganze Menge Spaß miteinander haben. Jeder Einzelne kann ohne große Mühe durch Cleanups und einen nachhaltigen Lebensstil sein Leben bereichern und die Welt ein Stück weit besser machen kann.

Was ist das kurioseste, was ihr bisher gefunden habt?

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Nicole: Wir konnten zwischenzeitlich einiges an Kuriositäten einsammeln. Der seltsamste Fund war eindeutig eine rote Einkaufs-Stofftasche prall gefüllt mit einem Damenstiefel, Damenspitzenunterwäsche, Feuerzeugen, Zigarettenschachteln, Parfumflaschen sowie zahlreichen Glas und Pfandflaschen. Auch eine Küchenarmatur, ein Schwangerschaftstest, eine einbeinige sprechende Puppe, Matratzen, zwei Brillen ohne Gläser sowie ein Wäscheständer können sich in die Liste einreihen.

Hast du Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

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Nicole: Grundsätzlich müssen wir raus aus der Komfortzone und zusätzlich Aufklärung betreiben. Es muss ein Umdenken in allen Schichten und an jedem Ort erreicht werden. Wir müssen bewusst und gezielt mit unseren Ressourcen umgehen, die Plastikflut reduzieren und hin zu einem nachhaltigen Lebensstil kommen. Sei es der plastikreduzierte Einkauf, der Umstieg auf Mehrwegartikel, der eigene Anbau von Lebensmitteln, die eigene Herstellung von Haushaltsreinigern und Kosmetika, der Kauf von Recyclingpapier und noch vieles, vieles mehr. Aus diesem Grund bin ich ebenfalls Mitglied bei geht ohne e.V. in Hamburg. Weiterhin planen wir Vorträge in Kindergärten und Schulen um bereits unsere Kleinsten für diese wichtigen Themen zu sensibilisieren.

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Nicole: Wir können die Plastikflut und den damit verbundenen Klimawandel nur dann verlangsamen oder aufhalten, wenn wir global mit großem Engagement und Ehrgeiz gemeinsam daran arbeiten. Daher sind wir froh, dass durch die globale Vernetzung besonders effektiv darauf aufmerksam gemacht wird. Jeder Einzelne kann durch seinen bewussten Konsum und sein Verhalten maßgeblich zur Veränderung beitragen. Zur simplen Veranschaulichung verwende ich häufig das Beispiel der Ameisen. Eine Ameise kann ohne weitere Hilfe unmöglich einen Ameisenhaufen errichten. Sind es jedoch Tausende, steht dem Erfolg nichts mehr im Wege. Entsorgt keinen Müll oder Kippen in der Natur, der dadurch nicht verschwindet, sondern lediglich verlagert und zur Umweltbelastung wird. Verwendet Taschenaschenbecher oder entsorgt eure Kippen zumindest im Abfalleimer. Ihr tut damit der Natur einen sehr großen Gefallen.
Wir freuen uns sehr über die Aufnahme und bedanken uns recht herzlich.

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Bayern, Langquaid, Zigaretten


Thomas Venugopal

Thomas Venugopal

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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