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[Interview] Das Usedom-Projekt wird Netzwerkpartner

Auch Deutschland hat Inseln, die direkt vom Klimawandel betroffen sind. Auf den ersten Blick scheinen der Klimawandel und das Müllproblem nicht miteinander zusammenzuhängen. Doch alles hängt miteinander zusammen. Das hat ein Ökosystem so an sich. Auch Plastik muss aus der Erde geholt werden, wird verbrannt oder landet in Form von Mikroplastik in der Nahrungskette. So ist es selbstverständlich, dass sich die Bewohner der Inseln Sorgen machen – berechtigt. Genauso verständlich ist aber auch, dass sie etwas dagegen unternehmen möchten. Zum Beispiel das Usedom-Projekt. Ich habe mit Franziska Wussow ein kleines Interview geführt. Dabei erfahrt ihr einiges über das Projekt. Ach ja, ganz nebenbei wird das Usedom Projekt unser Netzwerkpartner. Yeah!

Und jetzt viel Spaß mit dem Interview:

Was genau ist das Usedom-Projekt?

Franziska Wussow:Das Usedom-Projekt“ ist ein kostenloses Non-Profit-Angebot für Auszubildende (v.a. aus dem Tourismus), StudentInnen, SchauspielstudentInnen und SchülerInnen (insbes. der Abschlussklassen). Es ist das derzeit größte Projekt junger Menschen für soziale und ökologische Nachhaltigkeit in Deutschland. Ein 12-köpfiges Projekt-Team engagiert sich ehrenamtlich und koordiniert die OrganisatorInnen.

In monatlichen Seminaren erlernen die derzeit 120 TeilnehmerInnen wertschätzende und respektvolle Teamarbeit, soziale Kompetenzentwicklung und das Erkennen eigener Potenziale sowie erfahrungsbasiertes und strukturiertes Lernen.

Die erste selbstgewählte große gemeinsame „Aufgabe“ ist die Organisation und Planung einer sinnstiftenden Aktion unter Einbezug der Gemeinden und Touristiker der Insel Usedom aber auch bekannter Persönlichkeiten im Bereich „Nachhaltigkeit“. Seit Oktober 2018 wird der 1. große deutsche beachcleanup mit nunmehr 4.000 avisierten TeilnehmerInnen geplant. Das Usedom-Projekt existiert nur dank engagierter Ehrenamtlicher und großzügiger Sponsoren.

Was hat es mit der Kooperation mit den Seychellen auf sich?

Seychellen Partnerschaft

Franziska Wussow: Das Projekt ist ein mehrjähriges Projekt, welches seit diesem Jahr in Kooperation mit den Seychellen steht. Zwanzig sehr engagierte Auszubildende (engagiert im Ausbildungsbetrieb, in der Berufsschule und im Projekt), SchülerInnen und StudentInnen haben die Möglichkeit, im Oktober 2019 auf die Seychellen zu reisen, um sich dort über Maßnahmen im Ökotourismus zu informieren und hervorragenden Ökotourismus kennenzulernen. Warum gerade die Seychellen? Weil diese ein großer Vorreiter im Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind. So stehen zum Beispiel über 50% der Inseln unter Naturschutz, Naturschutz und Nachhaltigkeit sind als Unterrichtsfach in der Schule fest verankert, Einwegplastik ist auf den Seychellen verboten und Hotels müssen eine Umweltsteuer zahlen.

Gibt es schon eine nächste Putzaktion?

flyer beach cleanup usedom

Franziska Wussow: Der 1. große deutsche beachcleanup – bewusst wurde die inzwischen international bekannte Bezeichnung gewählt – ist am 17. Mai 2019, von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr an 42 Kilometern Ostseestrand auf der Insel Usedom geplant. (Anm. d. Red.: Hier geht es zur Facebook-Veranstaltung)

Der 42 Kilometer lange Usedomer Ostseestrand gehört zu den schönsten und saubersten der Welt. Dafür sorgen unsere Gemeinden und Kurverwaltungen tagtäglich – aber auch Freiwillige, die sich regelmäßig an Aktionen auf der ganzen Insel beteiligen. Oder auch Menschen, die zum Strandspaziergang immer einen Müllbeutel dabei haben. Wir möchten auch weiterhin saubere Strände haben – und weltweit viele Menschen für das Thema Meeresmüll sensibilisieren. Denn Meeresmüll hat eine unangenehme Eigenschaft – er bleibt nicht dort, wo er entsorgt wurde.

Junge Menschen übernehmen Verantwortung für sich und ihre eigene Zukunft aber auch für ihre Mitmenschen und ihre Umwelt.

„Das Usedom-Projekt“ möchte mit dieser Aktion ein Zeichen setzen gegen das globale Problem vermüllter und geschädigter Weltmeere und setzt sich ein für „unsere Insel, unsere Menschen, unseren Strand“. Nachhaltigkeit ist für uns von ökologischer aber vor allem von sozialer Bedeutung – diese junge Generation möchte klüger, mutiger, bewusster und respektvoller im Umgang mit Ressourcen sein.

Bereits am Vorabend veranstalten wir ein „Get-Together“ in Zusammenarbeit mit der Vorpommerschen Landesbühne mit dann schon angereisten „Experten“ und JournalistInnen und natürlich VertreterInnen der Insel Usedom.

Am 17. Mai findet ab 18 Uhr eine Talkrunde zum Thema „soziale und ökologische Nachhaltigkeit“ statt, für die anerkannte Persönlichkeiten im Thema Nachhaltigkeit ihre Teilnahme zugesagt haben.

Was würdest du dir von der Insel Usedom besonders hinsichtlich der Vermüllung wünschen?

das usedom projekt

Franziska Wussow: Es lässt sich leider nicht viel gegen Leute machen, die ihren Müll einfach überall herumliegen lassen. Oft liegt es nicht einmal daran, dass es zu wenig Mülleimer gibt, sondern an einer Art Bequemlichkeit. Wahrscheinlich ist es zu harsch, zu fordern, dass die Insel Usedom einfach ein wenig härter durchgreift in Form von Strafzahlungen, was aber eigentlich auch gar nicht nötig ist, da es viel bessere Wege gibt, um gegen eine Vermüllung vorzugehen.

Zuallererst sollte man versuchen, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Konsum und Müll zu fördern und die Leute zu informieren. Vielen ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, was Müll alles anrichten kann.

Wenn man diesen Grundstein gelegt hat, kann die Insel dem Durchschnittsverbraucher um Einiges entgegenkommen, indem Plastik eingeschränkt wird. Obst und Gemüse aus dem Supermarkt müssen nicht extra verschweißt werden, Strohhalme müssen nicht aus Plastik bestehen und es gibt viele Artikel, die man auch weniger verpackt verkaufen könnte.

Außerdem könnten einmal im Monat freiwillige Sammeltreffs organisiert werden, im kleineren Rahmen als unser Usedom-Projekt. Die Insel Usedom ist groß genug, um eine Veränderung ins Rollen zu bringen.

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

Franziska Wussow: Informationsveranstaltungen über die Vermüllung des Meeres und der Erde wären ein erster Schritt um alle Gesellschaftsschichten auf das Thema aufmerksam zu machen. Das klingt eigentlich viel zu simpel, oder?

Da wir allerdings alle auf dieser Erde leben und nur eine davon haben, ist es umso wichtiger, so viele Menschen wie möglich dafür zu motivieren und mit ins Boot zu holen.

Vermehrt treten Aussagen wie „Was kann ich allein schon ausrichten? Ob ich jetzt auf meinen Müll achte oder nicht, macht auch keinen Unterschied!“ oder „Das reicht, wenn andere sich darum kümmern.“ auf.

Um auf diese Aussagen einzugehen: es wird wirklich jede helfende Hand benötigt, die gegeben wird!

Das eigene Verhalten gegenüber Nachhaltigkeit kann andere inspirieren oder motivieren, am selben Strang zu ziehen – die Welt wird nun mal nicht über Nacht einfach sauber.

Das Arbeiten gegen die Vermüllung hat keine Altersbegrenzung und kein Raster wer aufgenommen wird und wer nicht. Da jeder willkommen ist, wird eine ganz neue Gesellschaft aufgebaut mit dem gemeinsamen Ziel „kurz mal die Welt zu retten“.

An sich wäre es für alle Gesellschaftsschichten schon Grund genug, einfach ein Zeichen zu setzen, eine sauberere Welt für alle späteren Generationen zu hinterlassen und etwas Gutes zu tun, aber den meisten fehlt ein kleiner Schubs in die Richtung.

Beim nächsten Mal einfach den eigenen Müll vom Strand mitzunehmen oder den Müll, der bereits da liegt, kann mehr ausrichten, als sich viele vielleicht denken.

Wünschst du dir Unterstützung von der Insel Usedom?

das usedom projekt

Franziska Wussow: „Viele Hände, schnelles Ende“. Jede Unterstützung ist extrem wertvoll und wieder ein weiterer Schritt näher ans Ziel. Selbstverständlich wünschen wir uns auch Unterstützung von der Insel Usedom, aber es ist mehr ein Geben und Nehmen als ein bloßes Einfordern. Da unser Projekt sich ganz der Insel Usedom widmet und eine Strandsäuberung auf 42 km organisiert, erleichtert uns ein Entgegenkommen die Organisation sehr. Nicht nur der Insel an sich, sondern auch ihrer Einwohner.

Wir stießen bereits auf viel Hilfsbereitschaft beim Publizieren unserer Flyer und Plakate in ansässigen Märkten, Apotheken, Arztpraxen etc. oder Hotels der Insel, die sich als Sponsoren zur Verfügung gestellt haben und uns Zimmer für unsere Ehren- und Mediengäste zur Verfügung stellen.

Das Ganze ist ein Herzensprojekt und es ist schön mit anzusehen, mit welcher Selbstverständlichkeit uns von vielen geholfen wird. Die Insel dient als Repräsentant unserer Arbeit, sie ist sozusagen unser Vorzeigemodell für alle, die sich ein Beispiel daran nehmen wollen. Usedom an sich kann aber noch einige Dinge mehr in puncto Nachhaltigkeit machen, die auch bereits genannt wurden. Der Stein rollt schon, mit einem Anschwung der Insel kann er noch großes bewirken.

Wenn du ein Produkt von heute auf morgen verbieten könntest – welches wäre es?

Franziska Wussow: Putzmittel enthalten viele Giftstoffe, von denen wir Tag für Tag Gebrauch machen. Wir denken oftmals nicht darüber nach – Hauptsache schnell und effektiv. Doch das ist der falsche Weg! Denn dieser Weg funktioniert fast ausschließlich nur mit Chemie. Nicht umsonst gibt es Warnungen auf vielen Putzmitteln, dass sie nicht mit den Augen in Kontakt kommen dürfen. Außerdem gelangen sie in unser Grundwasser und verunreinigen dieses.

Doch effektiv geht auch anders, indem wir umsteigen auf ökologische Putzmittel! Im Internet gibt es reichlich Ideen wie man mithilfe von einfachen Haushaltsmitteln, unter anderem mit Zitronensaft und Backpulver, ohne großen Aufwand Zero Waste Putzmittel herstellt. Und dieses Prinzip lässt sich nicht nur auf Putzmittel anwenden…
Gifte, die unter anderem durch Putzmittel unser Grundwasser verseuchen und die aufgrund von Pflanzenschutzmittel in unseren Boden gelangen und somit auch uns heimsuchen, sollten verboten werden. Denn ein solch massiver, von Menschenhand vorgenommener Eingriff in die Natur bleibt nicht ohne Folgen!

Das Usedom Projekt auf Instagram

Hast du Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

Franziska Wussow: Sicherlich ist der erste Schritt zur Bewältigung des Müllproblems die Information. Wenn jeder versteht, wie viel Müll er oder sie eigentlich produziert, was damit passiert und wie schädlich das für den Planeten ist, gäbe es im nächsten Schritt mehr Verständnis und Unterstützung für Müllvermeidungsstrategien, die dringend etabliert werden müssen.

Darüber hinaus muss eine Lösung für den bereits existierenden Müll gefunden werden, die bereits beispielsweise in Form von Auffangnetzen im Meer oder eben klein und groß angelegten beachcleanups wie unserem angegangen wird.

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Franziska Wussow: Man kann nie oft genug betonen, wie wichtig es ist sich Zeit zu nehmen und das Bewusstsein dafür zu entwickeln, wer man sein will! Ob man verschwenderisch, ungesund, unwissend, manipuliert und unbedacht leben will, alles auf die leichte Schulter nimmt und sich einredet: „So schlimm wird es schon nicht sein und was bringt es schon, wenn nur ich etwas an meinem Lebensstil ändere.“ oder ob man eben Veränderungen in seinem Leben zulässt.

Es bringt außerdem sehr wohl etwas, sich weiterzuentwickeln und seinen Horizont zu erweitern, auch wenn erst in ganz kleinen Schritten – aber erst müssen die kleinen Schritte gemacht werden, um sie größer werden zu lassen. Wir müssen bewusster Entscheidungen treffen und dürfen es nicht einfach passieren oder das eigene Leben dank unserer Gleichgültigkeit von anderen lenken lassen. Jeder einzelne kann ein Vorbild sein und den Anfang für sich selber setzen, sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien und handeln!

Insel, Usedom


Thomas

Thomas

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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