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„unfairmüllt – plastikfreier leben“ aus Langenpreising wird Netzwerkpartner

unfairmuellt - plastikfreier leben

Heute freue ich mich, eine neue Initiative aus Süd-Deutschland begrüßen zu dürfen. Und zwar „unfairmüllt – plastikfreier leben“ aus Langenpreisng bei München. Lisa stand mir Rede und Antwort und hat mir ein paar interessante Antworten zu meinen Fragen serviert.

Wie kam es zu der Initiative „unfairmüllt“?

Lisa: Ich ärgerte mich schon eine ganze Zeit lang über unsere familieneigenen vier gelben Säcke pro Monat. Dann sah ich eines Abends in einer Doku eine Schildkröte mit eingeklemmtem Strohhalm in der Nase und ich musste sofort etwas tun. Der Plan war schnell gefasst, dem Einwegplastik wurde der Kampf angesagt. Ich erzählte Kathrin und Lina von meinem Entschluss, denen es im Alltag ähnlich ging. Sie waren sofort bereit mitzumachen und dann gründeten wir im Oktober 2018 unsere „Initiative unfairmüllt – plastikfreier leben“.

Auf welche Themen legt ihr euren Fokus?

unfairmüllt plastikfisch

Lisa: Zunächst möchten wir Alternativen zu Einwegplastik und darin verpackten Produkten aufzeigen, um diese Müllflut einzudämmen. In unserem letzten monatlich stattfindenden Aktiv-Treff haben wir beispielsweise Mozzarella und Frischkäse selber hergestellt. Die Teilnehmer*innen – allesamt interessieren sich für unsere Initiative – waren erstaunt darüber, dass es so simpel ist. Zudem sammeln wir natürlich auch Müll. Zumeist in unserer Region, wobei man das ja auch andernorts nicht lassen kann, wenn man einmal damit begonnen und selbst kleinste Teile Müll einem ins Auge fallen. Wir unterstützen durch unsere Teilnahme sowie durch aktive Bewerbung über unser Netzwerk kommunale Müllsammelaktionen. Natürlich auch in benachbarten Landkreisen wie Freising. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass unsere auf den ersten Blick sehr aufgeräumte Gegend keinesfalls von der Umweltverschmutzung ausgenommen ist. Erst kürzlich holten wir 40 Quadratmeter Baustoffplanen, zwei Dutzend Bierflaschen, Möbelteile, Reifen und einen Boxsack aus der Strogen, dem kleinen Bach in unserem Ort. Unser Aufschlag war die Initiierung und Begleitung einer achtwöchigen Aktion rund um das Thema Müll im Kindergarten St. Martin in Langenpreising. Dort kennen sich jetzt selbst die
Kleinsten bestens aus.

Gibt es schon eine nächste Putzaktion?

Lisa: Ja, am 12. Oktober um 10 Uhr starten wir in vier Gruppen (Kippenteam, Kronkorkenteam, Plastikteam und Restmüllteam) eine Ramadama-Aktion. Aufgerufen dazu sind große und kleine Dorfbewohner. Der gesammelte Müll wird dann in großen Plexiglasröhren auf unserem Dorfplatz ausgestellt, damit auch jeder bestaunen kann, was da an Müll zusammenkommt.

Mit wem arbeitet ihr zusammen?

unfairmuellt - plastikfreier leben

Lisa: Unser Netzwerk wächst stetig. Mit dem Kindergarten St. Martin und seinen 80 kleinen Müllprofis haben wir unsere erste größere Aktion durchgeführt. In unserer Gemeinde, bei Feuerwehr und Vereinen, kennt man uns inzwischen. Unser Dorfladen hat bereits Vorschläge zur Vermeidung von Verpackungsmüll angenommen. Wir pflegen einen guten Kontakt zu einem großen Müllentsorger in unserer Region. Auch beim Abfallwirtschaftsamt in unserem Landkreis haben wir schon vorgesprochen. Für Rat und Tat können wir uns immer auch an Dr. Manuela Gaßner wenden. Sie hat zum Thema Müllvermeidung und Verzicht auf Plastik bereits publiziert und wir hatten sie für einen Vortrag zu uns eingeladen. Wir versuchen Möglichkeiten für verpackungsfreies bzw. -armes Einkaufen bekannter zu machen. Bei einem Biohof in Bockhorn geben wir beispielsweise regelmäßig Großbestellungen auf. Nudeln, Reis, Mehl – das geht alles auch unverpackt. Wir freuen uns immer, wenn wir mit anderen Initiativen zusammenarbeiten können. Es ist in dem Bereich schon viel Kluges getan, gedacht und auch verfasst worden. Das braucht nicht jeder neu für sich zu erfinden. Uns ist es wichtig, dass der Hauptteil unserer Zeit in den eigentlichen Zweck unserer Initiative fließt nämlich auf Einwegplastik zu verzichten, nicht in das Drumherum. Wenn sich immer mehr engagierte Menschen zusammentun, können wir miteinander für unsere Umwelt wirklich viel erreichen.

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Wo seht ihr euren Ort hinsichtlich der Vermüllung in zehn Jahren?

Lisa: Es lässt sich schwer beantworten, was in zehn Jahren sein wird. Wir können sagen, dass im ersten Jahr unseres Bestehens durchaus etwas in Bewegung geraten ist. Natürlich hilft uns dabei auch die derzeit große Sensibilität der Medien für diese Themen. Wir möchten weiter wachsen, aktiv sein und gerne Teil einer größeren überregionalen Bewegung werden.

Nie wieder Plastikpackerl, i nehm mei BaumwollsackerlKlicken zum Tweeten

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

unfairmüllt - plastiksackerl - kindergarten

Lisa: Indem man breiten Schichten der Gesellschaft auf attraktive und einfache Weise klarmacht, dass jede*r einzelne etwas tun kann, um die Welt ein wenig sauberer zu halten. Und das möglichst früh. Zum Abschluss des achtwöchigen Müllprojekts im Kindergarten haben wir beispielsweise einen übergroßen Fisch aus Draht erstellt, in den jedes Kind seine letzte Plastiktüte einflechten konnte. Im Tausch hat jede*r eine wiederverwendbare Stofftasche erhalten. Darauf stand: „Nie wieder Plastikpackerl, i nehm mei Baumwollsackerl“. Das hat gewirkt. Seither sieht man bei uns immer mehr Familien, die sich mit Körben oder Stofftaschen zum Einkaufen aufmachen. Außerdem haben die Kinder den Fisch auf Reisen geschickt und seither tourt er auf verschiedenen Festivals wie z. B. Sinntflut und Uferlos und verbreitet seine Nachricht „Vermeidet Einwegplastik“. Mehr Informationen dazu gibt es unter unserer Facebookseite „unfairmüllt„.

Habt ihr Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

Lisa: Bildung und Information! Wir müssen unsere Kinder ganz früh mit dem Thema in Berührung bringen. Das kann im Kindergarten beginnen und sollte in den Schulen intensiviert werden. Unverpacktläden müssen in Serie gehen und zu etwas ganz normalem werden. Zudem brauchen wir anstelle von Müllexporten endlich ein europaweit funktionierendes Recyclingsystem mit signifikanten Quoten. Wir benötigen Regeln für die Industrie, die Plastikverpackungen zunehmend unattraktiver machen und wenn sie sich mal nicht vermeiden lassen, sollten sie wenigstens zu 100 % recycelbar sein. Uns Endkonsumenten bleibt die Verpflichtung, den entstehenden Müll richtig zu trennen oder bestenfalls gleich auf Verpackungen zu verzichten.

Habt ihr noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Lisa: Wir wünschen uns eine wachsende Dynamik, die das Thema noch stärker in das öffentliche Bewusstsein rückt. Wir benötigen einen gewaltigen Veränderungsprozess für ein neues Kapitel in der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt.


Vielen Dank, Lisa, dass du dir die Zeit genommen hast. Und natürlich an euch alle ein Riesendank für die Arbeit, die ihr leistet!

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Muenchen, Plastikfrei


Thomas

Thomas

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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