Clean up your city – Bremen wird Netzwerkpartner

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Bald haben wir alle 16 Bundesländer Deutschlands infiziert. Mit „Clean up your city – Bremen“ stößt endlich auch eine Initiative aus unserer Hansestadt Bremen  zum Netzwerk. Das Interview habe ich mit Katrin geführt.

Wie kam es zu dem Projekt „Clean up your city – Bremen“?

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Katrin: Es war ein schleichender Prozess, wie vermutlich bei vielen Müllsammel-Begeisterten. Nachdem ich zufällig immer öfter auf Reportagen über die Vermüllung unserer Ozeane gestoßen bin, haben mein Mann und ich bei jedem Strandurlaub Müll aus dem Sand gefischt. Irgendwann sind wir sonntags bei unserem obligatorischen Spaziergang auch in Bremen mit Mülltüte losgezogen. Nach und nach wurde mir bewusst, wie achtlos wir mit Ressourcen umgehen, Müll ohne Ende produzieren und uns dann noch nicht einmal Gedanken machen, wo der ganze Kram eigentlich landet. Dem wollte ich aktiv etwas entgegensetzen und mit Müllsammel-Aktionen mehr Bewusstsein für die Problematik schaffen. Und außerdem zeigen: Wenn dich etwas stört, dann tu was und warte nicht darauf, dass jemand anderes dieses Problem löst.

Über Social Media hatte ich bereits bundesweit zahlreiche engagierte Müllsammler kennengelernt. Aber in Bremen liefen mir keine über den Weg. Deshalb beschloss ich im Sommer 2018, selbst eine Facebook-Gruppe zum Müllsammeln in meiner Stadt zu gründen.

Wer organisiert die Cleanups und wer beteiligt sich dabei?

clean up your city bremen

Katrin: Im Prinzip kann jede/r in der Facebook-Gruppe zum Cleanup einladen. Mein großer Wunsch ist, dass alle Stadtteile in Bremen mindestens einen Müll-Paten haben, um regelmäßig Cleanups zu organisieren. Bislang gibt es eine Gruppe, die sich konsequent jeden Samstag zum „Putztag“ in ihrem Quartier trifft: „Pusdorf räumt auf“. Die Truppe ist dort schon bestens bekannt und spricht Müllsünder direkt an. Mit Erfolg: Seitdem sie im November 2018 mit ihrer Samstagstour angefangen haben, ist es schon viel sauberer in Pusdorf.

Es kristallisiert sich langsam ein fester Kern heraus. Aber es wäre toll, wenn „Clean up your city“ noch mehr fleißige Mitstreiter hätte. Deshalb haben wir seit Kurzem ein prägnantes Logo und einen Claim: „Nicht mein Müll, aber mein Planet!“ Wir hoffen, dass sich dadurch noch mehr Leute angesprochen fühlen, aktiv etwas für den Umweltschutz zu tun und im besten Fall auch das eigene Konsumverhalten überdenken.

Clean up your city – Bremen auf Instagram

Gibt es schon eine nächste Putzaktion?

Katrin: Ja, ich habe gerade erst drei Termine festgemacht. Am 26. Oktober und 30. November veranstalten wir jeweils ein Cleanup zusammen mit der KlimaWerkStadt in der Bremer Neustadt. Das ist eine gemeinnützige Institution, die viele Seminare und Workshops rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz anbietet. Ein wirklich wichtiger Verein, der tolle Arbeit leistet und Gleichgesinnte zusammenbringt. Ich engagiere mich da selbst ehrenamtlich.

Ein weiteres Cleanup ist am 17. November im Stadtteil Findorff geplant. Wer sich rechtzeitig anmeldet, kann danach noch an einem gemeinsamen „Restefestessen“ teilnehmen. Katarzyna rettet aus Überzeugung Lebensmittel vor der Tonne und zaubert daraus die leckersten Gerichte. Daneben wird es bestimmt noch das ein oder andere Spontan-Cleanup geben. Wie gesagt: Jeder kann selbst zum Cleanup einladen. Genauere Infos zu den größeren Events geben wir demnächst auf unserer Facebook-Seite und in der öffentlichen Gruppe bekannt.

Was würdest du dir von der Stadt Bremen besonders hinsichtlich der Vermüllung wünschen?

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Katrin: Ich habe mich schon mit einigen Mitarbeitern von der Stadtreinigung unterhalten. Die leisten einen guten Job und sind mit Herzblut bei der Sache, aber gegen die Ignoranz oder Arroganz vieler Mitbürger kommt man leider nur schwer an. Allerdings, finde ich, dass viel mehr in Umweltbildung und Kampagnenarbeit investiert werden müsste. Und in vernünftige öffentliche Aschenbecher, damit die ganzen Gifte aus den Kippen nicht ins Grundwasser sickern. Die meisten Mülleimer haben entweder gar kein Sammelfach für Zigarettenkippen oder es ist als solches kaum erkennbar. Auch deshalb landen viele Kippen auf dem Boden anstatt im Eimer. Umweltbildung fängt für mich schon bei einer sinnvoll konstruierten und beschrifteten Mülltonne an.

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Wünschst du dir Unterstützung von der Stadt Bremen?

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Katrin: Die Bremer Stadtreinigung unterstützt uns bereits: Für unsere größeren Putz-Events bekommen wir Gummihandschuhe und Müllsäcke gestellt. Der gesammelte Müll wird an einem vereinbarten Ort abgestellt und am nächsten Tag von der Stadtreinigung abgeholt. Das Thema „Zigarettenkippen“ werden wir vermutlich mit dem Bremer Senat besprechen müssen. Hier muss in Bremen noch viel mehr Aufklärung betrieben werden. Dazu bräuchte ich allerdings auch noch ein paar Leute mehr, die Lust auf Organisation haben.

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

Katrin: Ich glaube, ganz wichtig ist der Faktor „Gemeinschaft“. Beim Cleanup setzt man sich meist mit wildfremden Leuten für eine gute Sache ein. Es ist egal, was du machst und wer du bist. Es zählt einfach, dass du in diesem Moment mithilfst, die Erde ein wenig sauberer zu machen und Verantwortung übernimmst. Der gemeinsam gefüllte Sack motiviert und verbindet Menschen, so seltsam das klingt. Außerdem setzt ein Cleanup oftmals Glückshormone frei, weil man so viele positive Reaktionen von Passanten erhält.

Was ist das Kurioseste, was ihr bisher gefunden habt?

alter müll

Katrin: Kurioses ist mir noch nicht sooft begegnet, dafür aber allerhand Ekliges wie ein abgetrennter Tierhuf im Gebüsch oder ein Müllsack hinterm Schwimmbad mit altem Gammelfleisch. Traurig, wie viele Tiere völlig sinnlos geschlachtet werden. Der älteste Fund, der mir mal untergekommen ist, war eine Spüli-Flasche aus den 50er Jahren. Noch ziemlich gut erhalten. Die hab ich sogar aufgehoben.

Hast du Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

Katrin: Wichtig ist, dass sich jede/r an die eigene Nase fasst, anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Jahrelang hab ich gedacht, wenn ich meinen Müll sorgfältig trenne, ist doch alles in Ordnung. Dass mein vermeintlich recycelter gelber Sack höchstwahrscheinlich verbrannt oder nach Malaysia verschifft wird, war mir nicht klar. Hab ich auch jahrzehntelang nicht hinterfragt, um ehrlich zu sein. Wir brauchen mehr Aufklärung und alternative Angebote für ein müllfreieres Leben. Das muss den Kindern schon in der Schule beigebracht werden.

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Katrin: Auch, wenn wir uns nicht kennen: Schön, dass du hier bist! Und wenn du in Bremen oder Umland wohnst, mach gern mit bei „Clean up your city – Bremen“. Wir freuen uns über jede helfende Hand.


Vielen Dank Katrin, dass du dich so in Bremen gegen die Vermüllung engagierst! Wer in Bremen mitmachen will, folgt Clean up your city – Bremen“ am besten auf Facebook oder Instagram.

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Bremen, Stadt


Thomas

Thomas

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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