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„Die Aufheber“ treten unserem Netzwerk bei

Stephan von Orlow von Die Aufheber Berlin

Immer wieder begegne ich Initiativen, die völlig anders arbeiten, als es die klassischen Cleanup-Initiativen tun. Dazu gehören „Die Aufheber“. Es ist eher ein Grundgedanke, der flächendeckend verbreitet wird. Stephan – der Gründer – hat mir ein paar Fragen beantwortet. Ganz nebenbei ist die Initative unserem Netzwerk beigetreten. Herzlich willkommen! 🙂

Wie kam es zu der Facebook-Gruppe „Die Aufheber“?

Facebook ist eine globale Vernetzung, die wir gerne nutzen. Bereits ab 2015 hatten meine Töchter Nicola und Lucienne mich häufig auf den wachsenden Müll in unseren Straßen aufmerksam gemacht – wir beschlossen etwas zu tun. Die Ausgangüberlegung: wir glauben nicht daran, dass die Mehrzahl der Bevölkerung die Vermüllung gutheißt. Wir sind sicher, dass es „Selbstheilungskräfte“ in der Gesellschaft gibt, die wir wecken können. Uns war in den ersten Stunden klar – kein einzelner Mensch wird in der Lage sein an der Vermüllungssituation etwas zu ändern und so fragten wir uns, wozu wohl die meisten Menschen bereit wären. Auf diese Weise entstand unser Modell, ganz viele Bürger zu bitten, nur drei Stück Müll pro Tag zum nächsten Müllkorb zu transportieren. Wir wurden erhört. Heute haben sich viele Menschen diesem Gedanken angeschlossen, zahlreiche Medien haben ihn transportiert. Und dezentral findet mehr statt. Lokale Cleanups ergänzen die innere Einstellung, bereit zu sein für einen echten Wandel, die Bereitschaft, sich füreinander und miteinander einzusetzen.

Wer organisiert die Cleanups und wer beteiligt sich dabei? Sind es nur
Personen aus Berlin?

Die Aufheber sind keine klassische Gruppe, die sich zum Säubern ihrer Umgebung verabredet. Vielmehr teilen Aufheber eine Haltung, persönlich etwas zu tun, in einer kleinen Geste drei Stück Müll pro Tag zu entsorgen, die zur Gewohnheit wird. Wir teilen Erfahrungen von Aufhebern aus ganz Deutschland über Facebook.

Dann gibt es keine anstehende Putzaktion?

Wir planen nicht, wir handeln täglich – das ist das Grundmodell unserer Idee. Zudem entwickeln wir völlig neue Formate, beispielsweise das Aufheberprojekt in Schulen oder die zahlreichen Poster, mit denen wir offline und sehr erfolgreich Menschen ansprechen.

Was würdest du dir von der Stadt Berlin besonders hinsichtlich der Vermüllung wünschen?

Stephan von Orlow von Die Aufheber Berlin

Wir arbeiten bereits sehr erfolgreich mit der Stadt Berlin, insbesondere mit dem Bezirk Reinickendorf, aber auch dem städtischen Entsorger BSR zusammen. Unser Traum ist, dass eines Tages jedes Kind zwischen der dritten und fünften Klasse in Deutschland mit uns ein Aufheberprojekt macht. Dazu haben wir ein tolles Modell entwickelt, um in etwa zwei bis drei Stunden zu erklären, zu erfahren und zu sensibilisieren, was ein Kind heute tun kann, damit unsere Stadt und ihre Bewohner eine gute, abfallfreie Zukunft haben.

Aufheber in Aktion

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

Es gibt nicht eine Lösung für alle Gesellschaftsschichten, sondern viele. Die Aufheber vermitteln Mut, etwas zu tun, in einer kleinen Geste der Umwelt zu beweisen – sie ist mir nicht egal. Als Aufheber weiß man, ich bin nicht allein, wir sind viele, die sich Sorgen über die Vermüllung machen und wir tun etwas. Auch wenn wir uns nicht treffen – uns verbindet die Idee, drei Stück Müll aufzuheben – und das täglich. Unsere Aufheberprojekte sind ein anderes Beispiel. Wir haben Poster entwickelt, mit denen wir beispielsweise an Bushaltestellen oder auch im eigenen Haus zeigen kann – wir Aufheber sind da (http://www.aufheber.de/Aufheber_Aktionen2.html).
Manche von uns beginnen sich darüber hinaus in Cleanups zu organisieren, andere bauen Kommunikationsmodelle, um die Vernetzung zu verbessern.

Wünschst du dir Unterstützung von der Stadt Berlin?

Schüler in Klassenzimmer

Ja, ich würde sehr gerne noch häufiger die Gelegenheit haben, mit Kindern über die Problematik der Vermüllung zu sprechen, mit Ihnen zu arbeiten. Kinder sind bereits in der dritten Klasse für dieses Thema sensibel, aber sie erleben den Müll auf den Straßen und empfinden diese fürchterliche Situation zunehmend als ihren Alltag. Dann werfen sie selber Müll auf den Boden und es wird zu ihrer Realität. Aufheber-Schulprojekte können diese Abwärtsspirale unterbrechen, wir haben da alle Optionen, aber dazu müssen wir Aufheber eingeladen werden, dieses Projekt zu machen.

Wenn du ein Produkt von heute auf morgen verbieten könntest – welches wäre es?

Ich möchte keine Produkte verbieten, ich möchte die Einwegverpackung verhindern.

Hast du Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

Ja, es gibt einen ultimativen Weg, den wir Älteren aus der Kindheit noch gut kennen. Es geht um den konsequenten Einsatz von Mehrwegbehältern – wir nennen das, angelehnt an japanische Produktion der 70er Jahre den „Kanban“. Würden wir heute dreißig Jahre in die Zukunft schauen wäre uns klar – wir müssen sofort Einwegverpackungen verbieten und durch eine begrenzte Anzahl an Mehrwegbehältertypen ersetzen. Dann wird Mehrweg effizient und wir verhindern alle negativen Folgeeffekte – es gibt dann praktisch „über Nacht“ keine Einwegverpackungsabfälle mehr. Wir beginnen jetzt dafür zu werben – in der Politik, bei der Industrie und bei den Menschen. Mehr dazu findet ihr unter www.Kanban-Initiative.org – inklusive eines stetig wachsenden Konzeptpapiers.

Der beste Müll, die beste Einwegverpackung ist die, die gar nicht erst produziert wird.

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Danke, dass ihr dabei seid. Lasst nicht nach – wir wirken als Vorbilder und als Aktive. Seid Aufheber oder engagiert euch in einem der zahlreichen Cleanups in Deutschland – es macht viel mehr Spaß, aktiv zu sein als sich über die schlimme Situation zu ärgern. Ihr lernt tolle Menschen dabei kennen – garantiert. Helft uns die Kanban-Initiative nach vorne zu bringen, wir brauchen eure Hilfe. Ihr gebt uns eure Stimme, indem ihr unseren Facebook Gruppen und Kanban-Initiative beitretet.

Alltag, Berlin


Thomas

Thomas

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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