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Ellenberg wird Netzwerkpartner – auch der ländliche Raum ist vor der Vermüllung nicht sicher

Für das Befreien der Umwelt von Müll gibt es unzählige Bezeichnungen. Cleanup, Putzaktion, Plogging, Trashpicking, Müllsammeln und weitere, die mir jetzt nicht alle einfallen. Im Süden Deutschlands dürfte die bekannteste Bezeichnung „Putzete“ sein. Wahrscheinlich abgeleitet von „Hocketse“, was etwa mit „da hocken sie“ (sozusagen eine Feier, bei der man – zumeist – auf Bierbänken sitzt und ein Viertele schlotzt) ins Hochdeutsche übersetzt werden dürfte. Tja, und in Ellenberg „putzen sie“. Willkommen „Ellenberger Dorfputzete“ in unserem Netzwerk! Guido, der Initiator der Initiative erzählt uns, wie es war, von der Stadt auf das Land zu ziehen – und weiterhin Müll sieht.

Wie kam es zu der Initiative “ Ellenberger Dorfputzete“?

Im Jahr 2016 bin ich ganz bewusst aus Frankfurt wieder zurück aufs Land nach Ellenberg in Baden-Württemberg gezogen, um wieder im ländlichen Raum mit besserer Luft in einer sauberen Umwelt und näher an der Natur zu leben. Leider habe ich in dieser kurzen Zeit aber festgestellt, dass auch der ländliche Raum, also auch unser Dorf und seine Umgebung, immer mehr unter einem bereits weltweit bekannten Problem leidet: die zunehmenden Mengen an Plastikmüll und unachtsam entsorgter anderer Gegenstände an Weges- und Straßenrändern, auf Wiesen und Feldern sowie in unseren Wäldern. Ein Phänomen, von dem ich ausging, dass es nur in Großstädten zu finden sei. Im Herbst 2018 begann ich dann auf meinen Hundespaziergängen Müll einzusammeln. Schnell stellte sich heraus, dass ich die Mengen, die ich zunächst nicht vermutete, alleine nicht mehr bewältigen kann, und ich entschloss mich, Mitstreiter zu finden. Mithilfe von WhatsApp und Facebook kontaktierte ich zunächst meinen Freundeskreis, um auf das Thema und mein Anliegen aufmerksam zu machen.

Ein Phänomen, von dem ich ausging, dass es nur in Großstädten zu finden sei.

Guido Baron

Wie oft findet die „Putzete“ statt und wer ist die Zielgruppe?

Ellenberger Dorfputzete - Müll sammeln

Von Januar bis jetzt konnte ich drei größere Aktionen starten. Einmal haben wir einen Straßenabschnitt in einer Gruppe von 5 Leuten von Müll befreit. Aktion Nummer 2 war eine Putzaktion kurz nach Karneval im Dorf, um die Reste des Faschingsumzugs im Dorf zu beseitigen. Aktion 3 war ein weiterer Landstraßenabschnitt, den wir von Müll befreit haben. Darüber hinaus sammeln die einzelnen Mitstreiter auch allein regelmäßig jede Woche alleine an bestimmten Strecken Müll ein. Manche sind schon so sensibilisiert, dass sie auch schon im Urlaub im Ausland oder auf ihren Gassirunden täglich aufsammeln

Gibt es schon eine nächste Putzaktion?

Ich rufe regelmäßig im Amtsblatt zu Sammelaktionen auf. Leider ist die Resonanz noch sehr sehr gering.

Mit wem arbeitet ihr zusammen?

Die Gemeinde Ellenberg ist sehr kooperativ. Über den lokalen Bauhof können wir den gesammelten Müll entsorgen. Darüber hinaus bietet uns die Gemeinde die Möglichkeit, im Amtsblatt über unsere Arbeit zu informieren. Zusätzlich veröffentlichen wir regelmäßig im Amtsblatt Informationen zum Thema Müll und seine Folgen für Mensch, Tier und Natur.

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Wo siehst du Ellenberg hinsichtlich der Vermüllung in zehn Jahren?

Tigarettenkippen in der Umwelt

Eine Zukunftsvision sind die sogenannten Raumpatenschaften: Dabei legen die Organisatoren bestimmte Gebiete in der Gemeinde fest und teilen diese den Raumpaten zu, die ihr Gebiet fortan regelmäßig ehrenamtlich aufräumen. So sammeln beispielsweise Schulklassen auf dem Schulweg Abfall ein, der Fußballverein übernimmt die Pflege der Sportanlage oder Einwohnerinnen und Einwohner räumen rund um öffentliche Grillplätze auf usw.

Bewusstseinsänderung und Hinterfragung des eigenen Konsumverhaltens durch Infoarbeit: wie kann ich selbst dazu beitragen, weniger Müll zu produzieren? Eine Frage, die in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

Das Müllsammeln muss aus der Schmuddelecke raus und zu einem sozialen Event werden, bei dem der Spaß und das Seelenheil nicht zu kurz kommen sollen. Die Putzaktionen müssen in Zukunft zu einem Happening werden, bei dem man durch Kaffee und Kuchen im Anschluss oder einem Grillabend für seine Mühen belohnt wird.

Das Müllsammeln muss aus der Schmuddelecke raus und zu einem sozialen Event werden, bei dem der Spaß und das Seelenheil nicht zu kurz kommen sollen.Klicken zum Tweeten

Hast du Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

Das Müllproblem kann auf lange Sicht nur über Aufklärung in den Griff bekommen werden. Darüber hinaus stärken die regelmäßigen Putzte-Aktionen das Bewusstsein, dass sich unsere Gesellschaft noch extrem wandeln muss. Müllsammeln muss auf lange Sicht nicht peinlich, sondern cool und sexy werden. Somit würde man vielleicht auch die Jugend mit ins Boot holen.

Ellenberger Dorfputzete

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Meine Botschaft an die vielen Leser vor allem im ländlichen Raum: Leute scheut euch nicht, mit anzupacken. Gebt nicht auf, auch wenn ihr im Moment noch belächelt werdet. Irgendwann hat auch der letzte kapiert, dass wir alle gefragt sind, unseren Planeten und das Leben darauf zu schützen.


Wie ihr seht, ist das Müllproblem kein Stadtproblem. Und der Wunsch, für eine lebenswerte Zukunft zu sorgen, geht durch alle Altersgruppen – ob Dorf oder Stadt – durch viele Teile der Gesellschaft. Schön, dass auch Ellenberg nun Teil des Netzwerks ist. Hoffen wir, dass Guido noch mehr Anhänger für seine Initiative findet!

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Dorf, Ellenberg


Thomas

Thomas

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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