Berlin Cleanup Trepnick

Für ein lebenswertes Treptow-Köpenick! Clean Up Trepnick wird Netzwerkpartner

Liebes Netzwerk, wir freuen uns darauf eine neue tolle Initiative aus Treptow-Köpenick in unserem Netzwerk begrüßen zu dürfen. Im Folgenden das Interview mit Diana für euch zum nachlesen.

Wie kam es zu dem Projekt/ zu eurer Gruppe?

Diana: Unsere Gruppe (CleanUp Trepnick) wurde Anfang 2020 durch eine Dame aus Spindlersfeld gegründet, die etwas gegen die vermüllten Straßen in ihrer Umgebung tun wollte. Bei der ersten Kehrenbürger-Sammelaktion im Februar 2020 waren sie gerade mal drei/vier Personen. Dann kam Corona und alles ruhte. Als die Dame verzog, übernahm ich im Oktober 2020 die Gruppe und seitdem haben wir schon so einige Müllsammelaktionen bezirksweit durchgeführt. Die Mitsammlerzahl ist seitdem um Einiges gestiegen. Die Motivation ist nach wie vor: Vorbild sein, Machen statt Meckern und Anwohner zu inspirieren, sich für eine lebenswerte Gemeinschaft einzusetzen.

terracycle sammelbox für bic

Mittlerweile sammeln wir nicht nur Müll. Zum einen machen wir uns stark für diverse Recyclinginitiativen, indem wir Sammelbehälter aufstellen, mit denen wir u.a. Naturkorken, Kronkorken, Metallschraubverschlüsse, alte Handy, Eierkartons und alte Schreibmaterialien sammeln. Diese leiten wir dann in Eigeninitiative an die entsprechenden Recyclinginitiativen weiter, wie z.B. den NABU oder auch an den Stiftehersteller BiC über die Sammelplattform Terracycle. Wir sammeln auch Zigarettenkippen für TobaCycle aus Köln, die daraus z.B. Sammelbehälter herstellen. Unsere selbstgebastelten Kisten stehen z.B. in meinem eigenen Hauseingang für alle Anwohner (die das fleissig nutzen) als auch in den ersten Spätis/Dönerbuden – für Kronkorken und Metallschraubverschlüsse – als auch bereits in zwei Läden. Das soll weiter ausgebaut werden.

cleanup trepnick berlin baumscheibe

Ein anderes Projekt ist die Pflege einer 6×3 m großen Baumscheibe, die wir frisch bepflanzt haben mit Hilfe von Schülern einer Grundschule. Ursprung war eigentlich, dass diese Baumscheibe als Müll- & Hundekotbeutelhalde missbraucht wurde. Nachdem ich ein Hinweisschild aufgehängt habe, änderte sich die Situation erfreulicherweise schlagartig und der Baum wurde tatsächlich verschont. Kann es bis heute kaum glauben. Da offensichtlich ein gewisses Augenmerk auf diese Baumscheibe herrscht, wurde das gleich zum Anlass genutzt, diese Fläche als Baumscheibenpatenschaft beim Grünflächenamt anzumelden und so entstand diese Pflegeaktion. Wir wünschen uns, dass diese Baumscheibe Anwohnern und Passanten als Augenweide dient, zum Nachmachen einlädt und die betreffenden Leute dazu veranlasst, ihren Unrat ggf. doch eher zum nächsten Mülleimer zu tragen als fallen zu lassen. Auch hier können wir uns gut vorstellen, künftig weitere Baumscheiben zu “übernehmen”.

Wer organisiert die Cleanups und wer beteiligt sich dabei?

Diana: Die Organisation läuft soweit über mich. Unser aktiver Kern an Mitsammlern besteht derzeit aus ca. 15 – 20 Personen von 4-74 Jahren, die sich je nach zur Verfügung stehender Zeit an den Müllsammelaktionen beteiligen. Die Menschen haben alle ganz unterschiedliche Hintergründe, kommen auch teilweise aus unterschiedlichen Ländern. alle haben das selbe Ziel: gemeinsam etwas verbessern.

Des Weiteren sind wir sehr an Zusammenarbeit interessiert. In diesem Rahmen tauschen wir uns mit anderen Clean Up Gruppen in Berlin aus und helfen uns gegenseitig bei Sammelaktionen, z.B. mit den Trash Hunters aus Baumschulenweg und den Kehrenbürgern Lichtenberg. Auch kam es bereits zu Kooperationen mit Vereinen, die wir künftig auch weiter ausbauen wollen, da man viel von einander lernen und sich auch gegenseitig inspirieren kann.
Gibt es schon eine nächste Putzaktion? (Wenn ja, dann gerne alle Daten nennen)
Wir machen so ziemlich jedes Wochenende eine Putzaktion, die bezirksweit stattfindet und meist auf Vorschlägen unserer “Mitglieder” basiert. Informationen zu den Aktionen werden auf unserer Webseite, Instagram, in unserer Gruppe auf Nebenan.de als auch in unserer Whatsapp-Gruppe veröffentlicht.

Was würdest du dir von der Stadt Berlin oder dem Bezirk Treptow-Köpenick besonders hinsichtlich der Vermüllung wünschen?

Cleanup Trepnick gesammelter müll verlin

Diana:  Von der Stadt bzw. dem Bezirk wünsche ich mir:

  • mehr öffentliche Mülleimer
  • mehr bzw. überhaupt öffentliche Ascher in und an Parkbänken und an Haltestellen und entsprechende Werbung, Aufklärung, Lösungen um diese Problematik. Sie könnten diese Abstimmungsaschenbecher aufhängen. Mit Humor kann man auf jeden Fall Aufmerksamkeit schaffen.
  • einen festen Sperrmülltag in jedem Ortsteil, an dem Sperrmüll zentral – evtl. ein Marktplatz – abgegeben werden kann. Es gibt zwar die BSR-Höfe (A.d.R.: Berliner Stadtreinigung), aber trotz allem wird noch immer soviel Sperrmüll in Parks und an Glascontainern oder sonst wo hingeworfen. So eine Aktion könnte man z.B. alle 3 Monate durchführen und vielleicht dadurch die illegalen Ablagerungen in der Stadt langsam minimieren.
  • Pfand auf alle Getränkeflaschen und -dosen inkl. Alkohol, Säfte, Milchgetränke
  • Pfand auf Elektroartikel und Verpackungen
  • Pfand auf Zigarettenkippen
  • ein extra Schulfach einführen, mit dem Umweltaspekte, wie der Wertstoffkreislauf: Verpackungsmaterialien und deren Herstellung / Recycling, Stromerzeugung (Handy-/Tablet-/Spielkonsolen-, etc.-Generation), als auch Folgen des “Massenkonsums” (Lebensmittel, Kleidung, technische Geräte etc.) und dessen Müllberge thematisiert werden.

Es sollten zudem auch Müllsammelaktionen und der Besuch bei der BSR / Wertstoffhöfen / Verbrennungsanlagen / Klärwerken als “Wandertag” mitaufgenommen werden, um zu zeigen, wo unser Abfall landet und was damit passiert. Auch kann man viel mehr zu nachhaltigen Alternativen aufklären, Reparieren statt Neukaufen, Mehrweg statt Einweg, Lokal/Regional kaufen statt International importieren, etc.. Die Menschen müssen verstehen, welche direkten Konsequenzen ihre Kauf-/Nutzentscheidungen umfassen.

Wünschst du dir Unterstützung von der Stadt Berlin oder dem Bezirk Treptow-Köpenick?

Hierzu habe ich auf Anhieb keine Vorstellung, wie diese aussehen könnte. Wenn sie die oben genannten Punkte umsetzen könnten, wäre das schon eine riesige Unterstützung.

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

Der Anreiz muss stimmen und es muss den Leuten leicht gemacht werden, sich zu beteiligen. Bildung und mediale Präsenz spielen sicherlich eine große Rolle.
Wenn die Leute dann noch verstehen, dass ihre Handlungen eben nicht egal sind und jede noch so kleine Handlung sehr wohl einen Einfluss hat (im positiven wie auch negativen), ist das Mitwirken sicherlich schon halb gesichert.

Was ist das kurioseste, was ihr bisher gefunden habt?

Wenn man lange genug sammelt, verwundert einen nichts mehr, auch die Ekelgrenze nimmt ab. Überrascht hat mich jedoch letztens der Fund eines Walkie-Talkies, das versetzte mich zurück in meine Jugend.

Hast du Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

Bildung, mäßiger Konsum, Müllvermeidung & dafür wirkungsvolle nachhaltige Alternativen integrieren, “Abfall” weitestgehend dem Wertstoffkreislauf zurückführen, Wertschätzung für die Dinge, deren Herstellung und Rückführung wieder erlernen. Es muss auch nicht alles ständig und immer sofort verfügbar sein.

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Jeder hat die Macht etwas zu verbessern, und wenn es nur etwas Kleines, im privaten Bereich ist. Jeder Schritt zählt.


Vielen Dank Diana für deine Vorstellung und schön, dass ihr dabei seid! Im Netzwerk gibt es schon einige Berliner Initiativen, da werdet ihr euch schnell zurecht finden. 🙂

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Berlin, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit