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The Berlin TrashPickers tritt dem Netzwerk bei – und stellt sich vor

gesammelte Zigarettenkippen am Strand

Wenn ich mich klonen könnte, gäbe es sicher schon mehr Netzwerkpartner. Allerdings würde ich dem Ansturm dann wahrscheinlich auch nicht mehr gerecht werden können. Außerdem würde mein Umfeld sicher nicht mit zwei Versionen von mir zurechtkommen. Deswegen: alles gut, wie es ist. Aber kommen wir zu den The Berlin Trashpickers. Der Name sagt schon alles: Berliner, die Müll sammeln. Aber ich lass lieber gleich die Verantwortlichen  zu Wort kommen. Das Interview habe ich mit Tanja – einer Gründerin von The Berlin Trashpickers – geführt. Viel Spaß beim Lesen!


Uns als Gruppe ist es wichtig zu zeigen, welche Auswirkung das persönliche Verhalten hat, und wir möchten auf die Dinge aufmerksam machen, die jeder Einzelne tun kann, um mit dem Thema Umweltschutz ohne große persönliche Einschränkungen in Einklang zu kommen.

Wir sind noch eine recht junge und kleine Gruppe, haben allerdings schon unterschiedlichste Reaktionen auf unsere Aktionen erfahren. Dies ist für uns jedes Mal ein Ansporn, uns noch weiter mit dem Thema Müll und anderen Themen auf den Gebieten des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit auseinander zu setzen und die Funktion der Gesellschaft in diesem Zusammenhang besser zu verstehen.
Wir sind davon überzeugt, dass jeder in ganz persönlichen Schritten seinen Beitrag zum „großen Ganzen“ leisten kann. Hierbei zu erkennen, von welcher Verantwortung jeder Einzelne betroffen ist, stellt für uns als Gruppe einen spannenden Lernprozess dar, in dem wir uns stets gegenseitig unterstützen. Alles unter dem Motto: „Alles kann, nichts muss!“. Umweltschutz und Selbsterkenntnis kann zu mehr Vollständigkeit führen und das Selbstbewusstsein stärken. Ein liebevoller Umgang mit sich und seiner Umwelt ist hierbei das große Ziel.

Wir freuen uns auf jeden, der mit uns gemeinsam diesen Weg gehen möchte.

Wie kam es zu der Facebook-Gruppe „The Berlin Trashpickers“?

Innerhalb unseres Freundeskreises sind Themen rund um den Umweltschutz beinahe täglich präsent. Viele Sätze begannen wie so oft mit „Man könnte doch…“ und „Eigentlich sollte man mal…“ Irgendwann haben wir dann einfach angefangen, nicht nur darüber zu sprechen, sondern es auch in die Tat umzusetzen. Konkret entstanden ist die Gruppe dann, nachdem wir mit Freunden eine Demonstration zum Thema Umweltschutz besucht haben. Wir haben uns vorgenommen, im Tiergarten in Berlin Müll zu sammeln. So haben wir uns nach der Demo gut ausgerüstet ans Werk gemacht und hatten eine ganze Menge Spaß dabei, da viele Passanten unsere Arbeit freundlich kommentierten und wertschätzten. Bei diesem Spaziergang entwickelte sich die Idee, auch andere Leute zu solchen Aktionen einzuladen. Und wo kann man aktuell die meisten Leute erreichen und mobilisieren? – Auf Facebook natürlich! Der Gruppenname ist aus einem spontanen Ausruf von Gründungsmitglied Onur heraus entstanden – und nun heißen wir eben so. 😊

Wer organisiert die Cleanups und wer beteiligt sich dabei?

Das ist sehr unterschiedlich. Jeder kann auf unserer Facebookseite Veranstaltungen erstellen und andere dazu einladen. Neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind hierbei natürlich jederzeit willkommen. Wir freuen uns aber auch über andere Veranstaltung, die Wissen vermitteln oder zum Nachdenken und Mitmachen bewegen. Eine befreundete Biologin veranstaltet beispielsweise ganz spannende und informative Führungen durch die Natur:
https://www.facebook.com/welldernessberlin/

Bei solchen Veranstaltungen wird besonders deutlich, worum es eigentlich geht und wofür es sich zu handeln lohnt.

Gibt es schon eine nächste Putzaktion?

Unsere letzte Aktion im Herbst hat gezeigt, dass das Sammeln aufgrund des herumliegenden Laubes sehr schwierig ist. Trotz guter Kleidung und Ausrüstung wird auch uns im Winter kalt, wenn wir uns längere Zeit im Freien aufhalten. Daher freuen wir uns schon sehr darauf, wenn die Temperaturen bald steigen, die Tage wieder länger werden und wir draußen wieder loslegen können. Aber untätig sind wir trotzdem nicht. Der Winter wird zur Planung und Vernetzung genutzt!
Martin gestaltet aktuell zum Beispiel eine Website: https://www.meer-bio.com

Was würdest du dir von der Stadt Berlin besonders hinsichtlich der Vermüllung wünschen?

Wir wünschen uns eine angepasste Interaktion zwischen Bürgern und Verwaltern.
Die Eigeninitiative der Bevölkerung sollte gefördert und mit Hilfestellungen unterstützt werden. Seit einiger Zeit weisen beispielsweise Anwohner und Spaziergänger im Grunewald auf das Fehlen von Mülleimern hin, in dem sie ihre Hundekotbeutel in die Bäume hängen. Nach einer unsere Sammelaktionen im Grunewald standen wir vor der gleichen Herausforderung. Wohin nur mit den Unmengen an Müll, die wir aus dem Wald geholt haben, wenn es weit und breit keine Mülleimer gibt? Als kleinen Ansatz zur Lösung des Problems könnten wir uns eine digitale Karte vorstellen, die die Standorte von Mülleimern aufzeigt. Oder man stellt eben mehr Mülleimer auf. Letzteres haben wir bereits als Anregung an die Stadt weitergetragen.
Allerdings muss man auch sagen, dass es schon eine ganze Menge Angebote gibt(z. B. die Initiative „Kehrenbürger“, die von der BSR ins Leben gerufen wurde) – und darüber sind wir sehr froh!

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Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

gesammelte Zigarettenkippen am Strand

Das ist tatsächlich eine gute Frage. Es wäre wahrscheinlich hilfreich zu verstehen, warum dieses Thema bei dem Einen so viel Leidenschaft und Tatendrang auslöst, bei dem Anderen wiederum aber den Abwehrmechanismus in Bewegung setzt und so viel Gegenwehr entfacht.
Uns geht es ja nicht nur um das Müllsammeln. Schlussendlich ist das, was in der Umwelt landet, nur das Endprodukt einer langen Kette von Prozessen, innerhalb derer an vielen Stellen Handlungsbedarf besteht. Uns ist es wichtig, zu diesen Themen nicht zu schweigen, sondern einen regen Austausch zu fördern.

Wünschst du dir Unterstützung von der Stadt Berlin?

Wir wünschen uns mehr Werbung und vor allem Aufklärung darüber, was jeder Einzelne in simplen Schritten beitragen kann. Toll wäre auch eine Sensibilisierung der jüngsten Mitglieder der Gesellschaft zu diesem Thema in Schulen. Der Grundstein dafür, dass sie von einer gesunden und intakten Umwelt profitieren können, muss jetzt gelegt werden!

Wenn du ein Produkt von heute auf morgen verbieten könntest – welches wäre es?

Zigarettenfilter, unnötige Einwegprodukte und sinnlose Plastikverpackungen.
Außerdem sollten sich die Verantwortlichen ein Beispiel an Ländern wie Frankreich und Tschechien in puncto Lebensmittelverschwendung nehmen. Was dort funktioniert, funktioniert hier auch!

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

Es tut gut, hin und wieder sein Konsum- und Wegwerfverhalten zu reflektieren und zu merken, dass oft mit kleinen Änderungen schon viel getan ist. Wir sind davon überzeugt, dass eine viel größere Verbundenheit zwischen uns und unsere Umwelt besteht, als wir es in unserem meist sehr hektischen Alltag spüren können. Jeder von uns, der sich schon mal die Zeit genommen hat, etwas in der Natur zu verweilen, weiß, wie befriedigend das Gefühl ist, im Einklang mit seiner Umgebung zu sein. Jeder noch so kleine Schritt kann große Auswirkungen haben!


Vielen Dank Tanja, dass du dir die Zeit genommen hast. Noch mehr danken möchte ich aber dafür, dass ihr euch so einsetzt, um mitzuhelfen, die Gesellschaft zu transformieren. Denn genau darum geht es. Nur Recyclingquoten, mehr Mülleimer und mehr Geld werden es nicht richten. Jeder Einzelne muss sein Verhalten überdenken – nur dann funktioniert der Wandel. Wenn ihr in Berlin seid und mitmachen möchten, dann ab zu der Facebook-Gruppe der The Berlin Trashpickers!

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Berlin, Cleanups, Stadt


Thomas

Thomas

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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