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843 Plastik-Feuerzeuge an nur 2 km Rheinufer

plastik feuerzeuge

Wer sich mit der Cleanup-Szene auseinandersetzt, trifft irgendwann auf Daniela Bielfeld – auf Instagram auch als Butkes bekannt. Butkes ist der Hund von Daniela – und er ist ehrenamtlicher Müllsammler. Richtig gehört! Der Hund sammelt Müll. Vorzugsweise Schuhe, denn die findet man zu Hauf am Rheinufer. Besonders wenn das Hochwasser zurückgeht. Nun hat Daniela im Laufe eines Jahres etliche Feuerzeuge gesammelt und in den sozialen Medien „ausgestellt“. Ich habe mit ihr ein Interview geführt, um zu erfahren, worum es dabei geht.

Wer bist du?

Mein Name ist Daniela Bielfeld, bin 51 Jahre, geboren in Düsseldorf und lebe dort auch. Ich bin seit 1994 freiberufliche Hebamme, bin ledig, hab keine Kinder, aber zwei Hunde.

Du zeigst auf Facebook immer wieder Bilder, die zum Anregen denken. Warum machst du das?

Das hat sich einfach so ergeben und hat auch mit den Feuerzeugen zu tun. Mein Hund Butkes hat eine Vorliebe für angeschwemmte Schuhe entwickelt, denn wir wohnen hier in Düsseldorf – das ist eine Außenkurve des Rheins – und hier werden sehr viele Schuhe angeschwemmt. Ich habe dann angefangen, Fotos zu machen und habe im Internet recherchiert, wer sich noch mit dem Thema beschäftigt. Dabei ist mir aufgefallen, dass Bilder vom Müll nicht unbedingt ansprechend aussehen. Ich habe mir dann aber gedacht, die Bilder positiv zu inszenieren, um einen ersten positiven Ersteindruck zu vermitteln. Erst beim zweiten Hinschauen soll er realisieren: „Oh, in dieser schönen Natur liegt ja Müll!“. Man soll also erst mal durch das schöne Bild angezogen werden, um im zweiten Schritt für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren.

Ich versuche die Menschen für den Müll, der uns umgibt, der herumliegt zu sensibilisieren. Mein Ziel ist es, dass es in der Gesellschaft unangenehm wird, Müll liegenzulassen. Dass jeder direkt ein schlechtes Gewissen bekommt und sagt: „Ne, das geht nicht!“. Oder es erst gar nicht dazu kommt, dass Müll weggeworfen wird.

einwegfeuerzeuge aus plastik am rheinufer gefunden

Du hast unglaubliche 843 Plastikfeuerzeuge am Rheinufer eingesammelt. Wie kam es dazu?

Beim täglichen Gassigang am Rhein entlang ist mir aufgefallen, dass unfassbar viel Müll bei Hochwasser angeschwemmt wird. Anfangs habe ich aus Spaß einfach mit dem Handy darauf gehalten und so Bilder von den Schuhen gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es auch Spaß macht, die Schuhe und den Hund richtig in Szene zu setzen. So ist Butkes richtig bekannt geworden, als der Hund, der Schuhe sammelt. Es gibt so einige Bilder zu sehen, wenn man den Hashtag #Butkes eingibt, wie er Schuhe sammelt. Ich schleppe die dann bis zum nächsten Mülleimer oder sammle sie und werfe sie dann eben weg. Butkes hält also unsere Rheinufer sauber! 😉

Dabei ist mir letztes Jahr dann aufgefallen, als das Hochwasser im November anfing, dass unfassbar viele Einwegfeuerzeuge herumliegen. Da ist mir die Idee gekommen, die dann einfach im Dezember zu sammeln. Und da habe ich dann gemacht! Bei jedem Spaziergang habe ich Einwegfeuerzeuge gesammelt. Und so sind im Dezember 2017 131 Feuerzeuge zusammengekommen. Das hat mich dann so gepackt, das ist fast schon wie eine Sucht! Man kann an diesen Teilen gar nicht mehr vorbeigehen und die Feuerzeuge konnten sich nicht mehr vor mir verstecken! Ich habe mir dann gesagt, ich mache das monatsweise, solange das Hochwasser da ist und schaue, was da zusammen kommt. Ich bin dann immer die gleichen zwei Rhein-Kilometer 740 und 742 abgelaufen und so waren im Januar schon 404 Feuerzeuge zusammengekommen. Und so ging das dann immer weiter. Das Hochwasser ging zurück, ich hatte alle schon abgegrast und so kamen jetzt innerhalb eines Jahres auf dieser kleinen Strecke von nur zwei Kilometern über 840 Feuerzeuge zusammen. Und das finde ich sehr erschreckend!

Was hast du mit den Feuerzeugen vor?

Ich habe die Feuerzeuge aus Dezember und Januar 2017 auf einem weißen Hintergrund nur für mich fotografiert, um zu schauen, wie es wirkt. Tatsächlich sehen die Bilder, obwohl es Müll ist, sehr interessant aus. Was ich damit vorhabe, kann ich gar nicht genau sagen. Es ist merkwürdig, ich kann mich gar nicht richtig trennen. Aber wahrscheinlich werde ich sie einfach entsorgen. Wahrscheinlich ist es Restmüll und wird verbrannt, dennoch ist es schade. Es sind auch interessante Feuerzeuge dabei, aber genau weiß ich noch nicht, was ich machen werde.

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Welche guten Alternativen würdest du empfehlen?

Alternative zu den Einwegfeuerzeugen wären Streichhölzer oder auffüllbare Feuerzeuge. Die sehen in der Regel auch sehr viel schöner aus. Es gäbe noch viele andere Beispiele, wo man auf das Wiederbefüllen setzen könnte. Ich kann mir kaum ein Produkt vorstellen, welches man nicht ohne Plastik herstellen könnte.

Ich finde das großartig und das sollte noch viel mehr in die Öffentlichkeit getragen werden.Klicken zum Tweeten

Was hältst du davon, dass sich die Cleanup-Initiativen vernetzen?

Dass sich die Cleanup-Initiativen vernetzen, finde ich großartig! Ich bin ja erst durch die von Butkes gesammelten Schuhe und die Feuerzeuge auf Instagram aktiver geworden. Dadurch bin ich auch interessierter für das Müllthema geworden. Ich bin so angetan davon, wie zigtausende Menschen sich weltweit engagieren und Müll einsammeln – zum Beispiel am World Cleanup Day. Und wenn sich diese auch noch vernetzen und gleichzeitig Cleanups veranstalten und dadurch mehr Aufmerksamkeit erzeugen, finde ich das super! In Düsseldorf haben wir auch einige Initiativen und ich finde das toll, wie Menschen sich mit Elan und Ehrgeiz engagieren und sagen: „Wir schaffen das, dass wir unsere Umgebung sauber halten“. Ich finde das toll und das sollte noch viel mehr in die Öffentlichkeit getragen werden.

Wenn du ein Produkt von heute auf morgen verbieten könntest, welches wäre es?

Klar, Einwegfeuerzeuge. 😉 Ganz klar! Es ist so erschreckend, wie viele davon alleine am Rhein auf so einer kurzen Strecke zu finden sind. Wenn ich die verbieten könnte, würde ich das sofort tun. Mir ist aber klar, dass da eine riesige Industrie dahinter steckt – und damit auch Arbeitsplätze, sodass das ein Traum sein wird. Man braucht sie dennoch nicht. Es gibt Streichhölzer, wieder auffüllbare Feuerzeuge. Sie werden auch als Werbeträger verwendet, aber ich glaube nicht, dass es den Menschen so wichtig ist, was auf ihrem Feuerzeug steht.

Hast du noch eine Nachricht an unsere Leser?

Ich würde mir wünsche, wenn jeder in seinem kleinen Umfeld schaut, wo er auf Plastik verzichten kann. Und versucht, Stück für Stück umzustellen, damit man keine Bio-Gurken in Plastik verpackt kauft. Oder vielleicht mal ein Stück Müll aufhebt, statt daran vorbeizulaufen. Und das ist das, was ich gerne durch meine Bilder an die Menschen herantragen möchte. Darauf aufmerksam zu machen, wie viel Müll um uns herum liegt und dass es nicht schwer ist, diesen aufzuheben und zu entsorgen. Und natürlich den Müll schon im vorne herein zu vermeiden.
Außerdem würde ich gerne Plastikbecher verbieten. Definitiv! Die müssen komplett verboten werden. Ich bin gerade in St. Peter Ording und habe hier drei Plastikbecher gefunden und finde immer mehr. Also: Feuerzeuge und Plastikbecher! 🙂


Liebe Daniela, vielen Dank für deine Zeit und dein Engagement! Es ist so schön zu sehen, wie viele Menschen sich auf ihre Weise mit dem Thema auseinandersetzen.

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Alltag, Duesseldorf, Fluss, Plastikmuell


Thomas

Thomas

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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