Klettgau-Cleaners - Cleanup Network

Klettgau-Cleaners wird Netzwerkpartner

Radovan war mal müllblind. Jetzt ist er es nicht mehr. Er gründete die Initiative “Klettgau-Cleaners”, fing an Cleanups zu organisieren und tritt mit seiner Initiative nun dem Netzwerk bei. Aber lest selbst! Klettgau-Cleaners, schön, dass ihr dabei seid! 🙂

Wie kam es zu dem Projekt “Klettgau-Cleaners”?

Radovan: Im Februar 2019 suchte ich im Internet nach Müllsammelaktionen von „Fridays For Future“, da man ständig solche Bemerkungen „Die sollen doch lieber Müll sammeln gehen“ zu lesen bekam. Vor allem auf Facebook hat sich diese Argumentation gegen diese Bewegung sehr schnell verbreitet. Ich wollte das Gegenteil beweisen und bei meinen Recherchen bin ich auf das Netzwerk „Cleanup Network“ gestoßen. Dort habe ich zum ersten Mal den Begriff „Müllblindheit“ gelesen.

klettgau-cleaners müll

Dieses Wort ließ mich einfach nicht mehr los. Bei Spaziergängen fiel mir dann immer mehr auf, wie viel Dreck in der Natur rumliegt. Es dauerte dann allerdings genau bis zum 23. März 2019. An diesem Tag fuhr ich an eine Stelle an einer Landstraße, weil ich dort schon des Öfteren im Vorbeifahren etwas gesehen habe, was dort nicht hingehört. Ich hatte ein paar alte Plastiktüten und ein paar Stofftaschen dabei, und was ich dann zu sehen bekam schockierte mich zu tiefst. Ein ganzer Abhang voller Hausmüll, der zum Teil schon von Wildtieren angeknabbert wurde. Ich machte mich ans Werk und sehr schnell waren meine Taschen voll mit Müll und ich regte mich fürchterlich über diese Sauerei auf. Einige Tage später ging ich nochmal dorthin und räumte den Rest auf.

Als ich damit fertig war, fühle ich mich so unglaublich gut und es erfüllte mich mit Stolz.

klettgau-cleaners erstes cleanup gesammelter müll

In der Zeit nach meinem 1. Cleanup informierte ich mich beinahe täglich über das Thema Müll und mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ich wollte nicht zu diesen Menschen gehören, die ständig darüber meckern, sondern ich wollte aktiv dagegen vorgehen. Also machte ich in unregelmäßigen Abständen immer wieder Cleanups. Anfangs noch etwas versteckt und mit Scham aber das änderte sich sehr schnell. Wieso schämen, wenn man die Natur von Müll befreit? Ich drehte gedanklich den Spieß um und machte mich immer selbstbewusster auf den Weg, um den Müll in Wäldern und entlang von Landstraßen zu sammeln.

Dabei wurde ich einmal von einem Förster gesehen und er sprach mich darauf an wie toll er das findet. Er war so erfreut darüber, dass ich mit seiner Hilfe die Erlaubnis bekam, den gesammelten Müll bei unserem Bauhof entsorgen zu können.

So vergingen einige Cleanups bis ich auf einmal kurz nach Weihnachten Post von unserem Bürgermeister bekommen habe. Darin stand, dass er mich beim nächsten offiziellen Neujahrsempfang dafür ehren möchte, dass ich Müll in der Natur einsammle. Ich war völlig „baff“. Damit hatte ich ja überhaupt nicht gerechnet aber natürlich freute es mich sehr. Genau in dieser Zeit beschloss ich die „Klettgau-Cleaners“ zu gründen. Ich hoffte einfach darauf, in Zukunft ein paar Mitstreiter zu finden.

Klettgau-Cleaners auf Instagram

Nach einem Artikel in der Zeitung Anfang März 2020 ist etwas passiert, was ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt habe. Es meldete sich Achim Meyer bei mir und meinte, wir seien „Brüder im Geiste“. Achim ist schon sehr aktiv im Umweltschutz und gehört auch einer offiziellen Naturschutzgruppe an. Dadurch entstanden von heute auf Morgen so viel Kontakte. Das erste Gruppen-Cleanup ließ nicht lange auf sich warten. Zu fünft zogen wir los und sammelten Müll entlang einer Landstraße.

Kurz danach kam der „Shut-down“ durch das Corona-Virus. Ich habe auf der Facebook-Seite von BlockBlocks Rhein Cleanup den Hashtag #alleinsammeln entdeckt und wollte diese Idee übernehmen. Also motivierte ich gemeinsam mit Achim alle Leute in unserer WhatsApp Gruppe und es schlossen sich mind. 20 Personen an. Ein toller Erfolg, wie ich finde.

Wer organisiert die Cleanups und wer beteiligt sich dabei?

Klettgau Cleaners

Radovan: Die Cleanups organisiere ich gemeinsam mit Achim und wir werden in Zukunft hoffentlich weiterhin einige erfolgreiche Cleanups als Gruppe durchführen können. Im Moment sind wir aber erstmal aufgrund der Corona-Pandemie zum Alleinsammeln gezwungen.

Gibt es schon eine nächste Putzaktion? (Wenn ja, dann gerne alle Daten nennen)

Radovan: Auf jeden Fall ist die Teilnahme am World Cleanup Day am 19.09.2020 geplant. Wir werden sehen, ob wir das bis dahin als „Alleinsammeln-Aktion“ durchführen oder ob es zu einem Gruppen Cleanup kommt.

Wünschst du dir Unterstützung von der Stadt Erzingen?

Radovan: Wir haben eine so super tolle Zusammenarbeit mit unserer Gemeinde und dem Bürgermeister und kann nur betonen, wie vorbildlich unsere Gemeinde sich hier verhält. Natürlich gibt es immer mal wieder kleinere Meinungsverschiedenheiten aber man kann ja gegenseitig davon profitieren. Ich und die Klettgau-Cleaners lernen, wie seitens der Behörden etwas funktioniert oder nicht funktioniert und die Gemeindeverwaltung profitiert durch unseren Einsatz davon, dass Plätze entdeckt werden, an denen illegal Müll entsorgt wird, die der Gemeindeverwaltung bisher nicht bekannt waren.

Der einzige Wunsch, den ich habe, ist, dass an Bushaltestellen und Parkbänken mehr Aschenbecher aufgestellt werden.

Wie kann man alle Gesellschaftsschichten für dieses Thema begeistern?

Radovan: Durch Öffentlichkeitsarbeit. Im kleinen Kreis kann man Freunden und Bekannten voller Stolz Bilder zeigen von Müll, den man eingesammelt hat. Durch Veröffentlichungen im örtlichen Gemeindeblatt und/oder Zeitungen. Durch die sozialen Medien und vor allem immer damit, wie positiv es ist, den Müll aus der Natur entfernt zu haben bevor sich Tiere daran verletzten können oder sich vergiften.

Was ist das kurioseste, was ihr bisher gefunden habt?

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Radovan: Ein sehr kurioser Fund waren 2 Plastiktüten voller Kosmetikartikel. Eine weiterer besonderer Fund war eine Handtasche, die nachweislich aus einem Diebstahl stammte. Eine Trinkwasserflasche aus den 1950er/60er Jahren oder die Bürste eines Staubsaugers zählen zu unserem Fundus an Kuriositäten.

Hast du Ideen, wie man das Müllproblem an der Wurzel packen kann?

Radovan: Ja, da gibt es viele Möglichkeiten, die allerdings auch von der Politik und Wirtschaft gelöst werden müssen. Man sollte das ganze Pfandsystem völlig überarbeiten. Es sollten viel mehr Verpackungen bepfandet werden und auch die Höhe des Pfandes sollte sich nicht im niedrigen Cent-Bereich bewegen. Wir finden viel zu viel Dosen, Flaschen, Zigarettenschachteln und Kippen. Hier könnte man seitens der Politik gut Weichen stellen, damit nicht mehr so viel Müll in der Natur landet.

Es sollten viel mehr Verpackungen bepfandet werden und auch die Höhe des Pfandes sollte sich nicht im niedrigen Cent-Bereich bewegen.Klicken zum Tweeten

Ein weiterer Punkt wäre die nachhaltige Herstellung von Materialien egal welcher Art. Verpackungen, Baustoffe, Kleidung, egal was…. Kann man es nicht wieder einem Kreislauf zurückführen, sollte eine Produktion davon nicht erlaubt sein. Recycling muss für die Zukunft das Thema sein, an die jeder Hersteller verpflichtend gebunden wird. Nur durch Vorsorge kann man dem Müllproblem entgegenwirken.

Da unsere Erde bereits jetzt schon im Müll erstickt, muss dringend gehandelt werden. Der Erfindungsgeist von vielen Startups zeigt uns, dass es Möglichkeiten und Wege gibt den Müll einzusammeln. Solche Unternehmen sollten mit staatlicher Hilfe gefördert werden (z. B. The Ocean Cleanup).

Aber auch jeder Einzelne kann im eigenen Haushalt anfangen und wenn man einfach weniger Müll verursacht, ist das mindestens genauso viel Wert, wie das korrekte Entsorgen davon. Jeder kann seinen kleinen Beitrag leisten. Das Vermeiden von Plastikverpackungen wäre schonmal ein riesengroßer Beitrag, der jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu leisten kann.

Hast du noch eine Nachricht an unsere Cleanup Network Leser?

trash hero zürich

Radovan: Ein ganz besonderes Highlight fand am 27.Februar 2020 statt. Die Trash-Heroes Zürich und die weltbekannte Band „Milky Chance“ riefen zur Müllsammelaktion in Zürich auf. Kurzerhand entschloss ich mich, daran teilzunehmen.


Vielen Dank, Radovan, für dein Engagement! Schön, dass ihr jetzt auch im Netzwerk seid! 🙂

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Cleanups, World Cleanup Day


Thomas Venugopal

Thomas Venugopal

Auf Cleanup Network setze ich meine berufliche Erfahrung im Online-Geschäft ehrenamtlich und gemeinnützig ein, um meine Mitmenschen für das Thema Vermüllung zu sensibilisieren und mobilisieren. Der Netzwerkgedanke ist der Kern dieser Plattform. Daher freue ich mich über jede Form der Kontaktaufnahme.

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